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Artikel Braunschweiger Zeitung vom 03. März 2001

Artikel Braunschweiger Zeitung vom 03. März 2001
Von Guntram Jordan

Unterwegs mit Ike und Tina Turner

„Da habe ich meinen Achtzehn-Zoll-Marshall –Verstärker auf das Dach meines alten Dodge geschnallt, den Bass und ein paar Klamotten eingepackt und bin nach Los Angeles gefahren“, erzählt Reginald Worthy lachend vom filmreifen Beginn seiner Karriere in den USA, die in letztlich nach Braunschweig führte. Denn in den siebziger Jahren war für jeden angehenden US-Musiker die Stadt der Engel das Mekka der Musikszene.

So auch für den jungen Bassmann Worthy aus Plainfield, New Jersey. Eine Reise mit Hindernissen. „Ich wäre fast nicht angekommen, weil sich die Winterreifen in der Hitze der Westküstenhighways aufgelöst haben“, erinnert er sich, während er am Mischpult des heimischen Studios sitzt, „ich hatte nur noch ein paar Cent in der Tasche, als ich in L.A. ankam“.
Worthy sucht sich ein Zimmer, spielt bei diversen Musikergrößen vor. Wovon andere Grünschnäbel im Musikgeschäft nur träumen, geschieht. Wenige Wochen nach seiner Ankunft in L.A. bekommt Worthy sein erstes Engagement: Kein geringerer als Ike Turner findet Gefallen am Bassspiel des jungen Musikers aus New Jersey und nimmt ihn mit auf die „Ike und Tina Turner“-Tournee. „Ich konnte es nicht fassen, als ich die erste Station des Tourneeplans las, erzählt Worthy mit einem breiten Grinsen, „es ging zurück nach New Jersey.“ Alle Freunde kamen, um ihren lokalen Helden zu sehen und zu feiern. Doch der fühlte sich gar nicht wohl, denn Ike Turner hatte ihm für den Auftritt einen Brillantring aufgedrängt, der mehere tausend Dollar wert war. „Ich hatte immer Angst, ihn zu verlieren und habe ihn lieber in die Hosentasche gesteckt“, erinnert sich Worthy.
Ein Engagement von Patrick Gammon in Deutschland wenige Jahre später lässt den Bassmann schließlich seine Liebe für das Land jenseits des großen Teiches entdecken. Geplant war nur ein kurzer Aufenthalt in München zu Produktionszwecken, aber geblieben ist er mehr als zwanzig Jahre. Inallen großen Städten Deutschlands hat er schon gelebt und die Liste der bekannten Musiker, mit denen Reginald Worthy auf der Bühne stand, liest sich wie ein „Who is Who“ der deutschen Musikszene. Ob Udo Lindenberg, Stefan Stoppok, Inga Rumpf, Albano und Romina Power, Howard Carpendale oder die Braunschweiger Musiker der Jazzknatine: Jeder holt den lustigen und freundlichen Mann gern audf die Bühne oder ins Studio.
Welche Musik mag er privat? „Ich liebe Gospelmusik und träume davon, in einer Braunschweiger Kirche regelmäßig einen Gospel-Gottesdienst abzuhalten. Die deutschen Gottesdienste sind immer so traurig“, verrät er. Obwohl er als freier Berufsmusiker alle Höhen und Tiefen erlebt hat, hat er sich eine positive Lebenseinstellung bewahrt. Sein Glaube gibt ihm kraft, eine kirchliche Institution braucht er aber nicht, wie er sagt, um seine ganz persönliche Beziehung zu Gott zu pflegen.
Was hat den Weitgereisten ausgerechnet nach Braunschweig verschlagen? Die Liebe war´s, gesteht „Reggie“, der mittlerweile Vater von Mingus und Joshua ist. Und widerlegt mit der Romanze das Klischee vom betörend spielenden Musiker, in den sich eine Frau bei der Bühnenshow unsterblich verliebt. „Wir haben uns erst nach einem Gig bei einer Party kennengelernt, sie hat mich damals gar nicht auf der Bühne erlebt“, erinnert sich Worthy, während Lebensgefährtin Petra gerade mit den beiden Kleinen vom Spaziergang heimkehrt.

 
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